Friedrich Schiller zum Menschenbild:
Gefährlich ist's den Leu zu wecken,
Verderblich ist des Tigers Zahn,
Jedoch der schrecklichste der Schrecken
Das ist der Mensch in seinem Wahn.
 
Wenn wir über universitäres Bildungswesen sprechen, dann ...
müssen wir uns erst einmal die Situation an den allgemein bildenden Schulen bis hin zu Universitäten vergegenwärtigen. Auch wenn wir dieses Bildungssystem nicht auseinander dividieren können - weil ja alles miteinder verkettet ist - wollen wir unten bei den Grundschulen und neuerdings auch bei Kinderbetreuung anfangen.

Wir dürfen also die allgemeinbildenden Schulen, Hochschulen sowie die Universitäten nicht isoliert von der tragenden Gesellschaft betrachten. Denn jene an den Hochschulen und Universitäten ausgebildeten Kräfte sind nach ihren Studium in führenden bzw. wichtigen Stellungen der Gesellschaft wieder zu finden. Ein extrem kritischer Bereich ist die Ausbildung der Lehrkräfte für die allgemeinbildenden Schulen. Hiermit hat sich ein verhängnisvoller Teufelskreis gebildet, der dazu führt, daß laufend neue geistige Krüppel produziert werden.

Die im Studium verinnerlichten Dogmen und politisch-religiösen Ansichten bilden die Grundlage für den Lehrstoff unserer Kinder - vom 1.Klässler bis zum Gymnasium und zeigen dort ihre extrem negativen Auswirkungen. Die schlechten Noten für den Bildungsstand der Schüler nicht nur in der BRD weisen darauf hin, daß gerade das Bildungswesen generell (und zwar weltweit) in seinen Grundlagen geschädigt ist.

Der Ex-Schulleiter, Bueb, schlug daher in seinem Buch und im Interview auch mit folgenden Worten Alarm: "Zu viele unserer Lehrer straucheln führungslos umher. Niemand nimmt ihre Arbeit wahr, niemand kontrolliert sie, niemand motiviert sie. Sie sind verzweifelt, sie sind ausgebrannt, trotz ihres wunderschönen Berufs. Solche Lehrer können die Karriere von Schülern verhindern." Die währende des Studiums verinnerlichten Dogmen und politisch-religiösen Ansichten und deren Auswirkungen beschreibt Bueban (auf seine Person selbst bezogen) wie folgt: "Natürlich erwartete ich überhaupt nicht zu scheitern. Ich trat als König auf aus der großen Universität Bielefeld mit all ihren aufgeklärten Botschaften. Und dann ging es so schief!"

Daß Bueb dieses religiös dominierte System an den Universitäten in absehbarer Zeit nicht wird ändern können, ist ihm bewußt: "Das Studium zu reformieren, halte ich wegen der Unbeweglichkeit der ausbildenden Hochschulen für unmöglich." Er schlägt daher vor: "Ich würde die Fortbildung runderneuern und Lehrern die Möglichkeit geben, Erfahrungen mit sich selbst zu machen: Wie wirke ich? Warum scheitere ich immerzu? Ein Schulleiter müsste solche Coaching-Kurse anordnen dürfen; nur dann stellen sich Lehrer ihrem Scheitern oder ihren Ängsten."

Eine ähnliche Ansicht vertritt die Wirtschaftsjournalistin Inge Kloepfer. Sehr treffend bringt sie das in ihrem Interview zum Ausdruck, wo es heißt: "Heute Hauptschüler - für immer Unterschicht". Die Autorin hat durchaus einige wesentliche Probleme erkannt - die berufliche Unfähigkeit der Masse der heutigen Pädagogen. Aber auch sie wird ein Rufer in der Wüste bleiben. Zudem ist auch dieses nur das Herumdoktern an Symptomen, wie wir sie aus der Schulmedizin her kennen. Die eigentliche "Krankheit" kann man damit aber nicht heilen. Denn der Ansatz von Inge Kloepfer ist unvollständig: Alles nur auf fehlende berufliche Qualifikation der Pädagogen zu schieben, löst das Grundproblem »die auf ideologisch-religiösen Dogmen basierenden Lerninhalte und Lernmethoden« nicht - es bedarf dazu einer völlig anderen neuen Qualität von Pädagogen und Bildungsstätten. Die heutigen staatlich allgemeinbildenden Schulen erscheinen nicht nur gemäß den genannten Quellen oft in einem regelrecht verwahrlosten Zustand sich zu befinden.

Schulen - ob Grundschule oder Universität - sollten in erster Linie ihren Schulern das für ihr Leben notwendige praktische und soweit erforderlich auch das theoetische Wissen vermitteln. Auch das Vermitteln von Werten, die diese zu geachteten Mitgliedern der Gesellschaft machen, gehört zu ihren Aufgaben. Darüber hinaus auch die Fähigkeit logisch und kreativ zu denken. Dabei muß auch der klügste Schüler begreifen lernen, daß auch Straßenfeger und Putzfrauen gesamtgesellschaftlich wertevolle Mitglieder der Gesellschaft sind, die es verdienen angemessen gewürdigt zu werden. Jedem Schüler sollte vermittelt werden, wie sein Verhalten aber auch eventuelles Fehlverhalten sich auf die Gemeinschaft auswirken kann.

Dieses kann man aber mit dem momentanen Sparmodell und deren vielen Hilfskräften in den Grundbildungseinrichtungen nicht erreichen. Denn das ganze Bildungssystem ist durch die Anhäufung von Diplomidioten in der Staatsführung vom Grund auf morbid. Gerade die Grundbildungseinrichtungen - also die allgemeinbildenden Schulen - tragen eine extrem hohe Verantwortung für die gesamte Gesellschaft - denn in diesen werden die Grundlagen für die Zukunft einer Gesellschaft gelegt. Denn eine gute Grundbildung für jeden Bürger eines Volkes ist für eine zukunftssichere Gesellschaft weit ausschlaggebender als die Arbeit der Banken - Banken haben nur Hilfs- und Verwaltungsfunktionen zu erfüllen. Um diesen Mißstand im Bildungswesen zu beheben, müßte das gesamte gesellschaftliche System verändert werden. Im heutigen System sind ja gar keine anderen Pädagogen erwünscht, weil die Obrigkeit keine selbstbewußten gut gebildeten Bürger ertragen könnte!

Die heldenhafte TintenklexerInnen der Journaille sind sich dem durchaus auch bewußt. Doch es geht diesen "Multiplikatoren" offensichtlich nicht um die Bildung von Bewußtsein, sondern um ideologisches Dressieren. Sie möchten gern ihresgleichen um sich haben - also jene Menschen aus dem Lumpenproletariat. Nur in diesem Umfeld fühlen sie sich wohl und sicher.

In einem Beitrag über die Lehrerausbildung berichtete DER SPIEGEL denn auch folgendes: "Alle reden über Schulreformen, aber die Lehrerausbildung kommt nicht vom Fleck. "Das reinste Chaos", schimpft der GEW-Vorsitzende Ulrich Thöne. Auch andere Experten fordern mehr Praxis im Studium, einen neuer Lehrertypus und früheres Auswildern der Studenten." Aber wo soll dieser neue Lehrertypus herkommen? Oder will man diesen aus dem Hut zaubern?